Texte

Katrin Jähne
50 Jahre alt, Künstlerin.

Gibt Anlass innezuhalten, Gedanken zu reihen. Perlen zu Ketten zu fädeln:
Ich und die Kunst.

Zwischen vielen Möglichkeiten zog ein eher minder beachtetes Tun unmerklich meine Aufmerksamkeit in seinen Bann.

Zunächst wie Fingerübungen, als den möglich anderen Zeitvertreib genutzt, entwickelten sich Formen, Volumina, zentrierten meine gedanklichen Bilder.
Verschoben meine Sicht auf Innen und Außen, formten meine Sprache um.
Dies am drastischsten.

Und es begann die „Liebe“ meines Lebens.

Bedeutet, weil Liebe harte Arbeit ist, auch Mühe, Wut, Verzweiflung und Momente einzigartiger Schönheit. Glück.

Das Studium an der Akademie entwickelte den Blick, festigte meine Sicherheit beim Umsetzen räumlicher Strukturen.
Daneben ergab sich zunehmend Platz für Eigenes.
Entfernung vom Naturstudium, aber nie ganz.

Minimalistisch reduzierte künstlerische Äußerungen sind mir fern. Mich interessiert der Leib, sein Volumen, seine sinnliche Ausdehnung ins Extrem – und seine Zurücknahme.
Formen von Wolken, Schatten im Blattwerk der Laubbäume, Steine vom Wasser geschliffen. Erregen meine Fantasie,  – den Wunsch zu berühren. Greifbar zu machen.
Dem meine Seele einzuhauchen.

Und immer nur Frauen.
Fast immer, möchte ich präzisieren. Markenzeichen, Stil, Marotte?

Vertraut ist der Umgang beim Gestalten. Viel spannender die Volumina als beim männlichen Körper, so scheint mir. Vertraut auch im Sinn von Selbst bewusst und gespürt und erkannt.

Charakteristika meiner Kunst?

Schwer sagbar, ohne Klischees zu bemühen. Und dennoch: Selbstbefragung, Selbsterkenntnis, Selbstbestätigung? Stationen des Lebens, Erlebens und oder Auseinandersetzung mit dem was hätte sein können, sollen, ist und…?
Jedes meiner „Weiber“ also ein Stück „Weib – Ich“?

Lieber Dinge, die ich mag: Wenn Ton sich wölbt, konkav, konvex.
Die Krumen der Bearbeitung, nur leicht verdichtet. Oder die samtene Beschaffenheit von überschliffenem, geöltem Pappmachee` und Holz behauen, bis es dem Auge und der Hand schmeichelt mit wunderbarer Maserung…

Ton – heißt ganz im Material zu sein. Es braucht kaum Werkzeug. Hände, die das Feuchte spüren, wölben, pressen, reißen. Figurenwerke bauen.
Spanten wie beim Schiffsbau innen. Außen Volumen, vollendete Schönheit der Form.

Köstlich auch die Idee: Gedrucktes Kulturgut. Abfall, Altpapier. Zerfasert, zermahlen und neu aufbereitet.
Entstehen mir Wesen daraus, Körper, Leiber. Archaische Individuen.
Sinnlich üppig, anderes reduziert bis fast zur Silhouette. Fordern sie Berührung ein. Wirken kühl, schwer und sind doch von ungeahnter Leichtigkeit.
Bestätigen Erwartetes nicht.

Mai 2013

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